Griechisches Scheidungsrecht

Das griechische internationale Privatrecht bestimmt als anwendbares Recht für die vermögensrechtlichen Verhältnisse und auch für die Scheidung das Recht des Landes der letzten gemeinsamen Staatsangehörigkeit der Eheleute und wenn keine gemeinsame Staatsbürgerschaft vorhanden ist,  das Recht des letzten gemeinsamen Wohnsitzes. So kommt es bei binationalen Ehen, wo beide Eheleute bis zur Trennung in Griechenland gelebt haben, meist zur Anwendung des griechischen Scheidungsrechts, was den nicht griechischen Partner nicht selten mit Überraschungen konfrontiert.
Nach derzeitiger Rechtslage gilt für eine Scheidung Folgendes: Mit einem gemeinsamen Antrag vor Gericht kann eine einvernehmliche Scheidung beantragt werden, falls sich die Eheleute in einem privaten Vertrag über das Sorgerecht eventuell vorhandener minderjähriger Kinder geeinigt haben. Ist ein Ehepartner mit der Scheidung nicht einverstanden, kann der andere Partner eine Scheidung vor Gericht durchsetzen wenn schwerwiegende Gründe vorliegen, aus denen die Ehe als zerrüttet angesehen werden muss oder ein zweijähriges Getrenntleben nachweisbar ist. Dabei kommt es auf eine Trennung von „Tisch und Bett“ an, die nach außen manifestiert wird, getrennte Wohnungen sind dafür nicht zwingend erforderlich. Ist die zweijährige Trennungsfrist erfüllt, muss das Gericht die Scheidung aussprechen, auch entgegen dem Willen des anderen Ehepartners, ohne dass weitere Scheidungsgründe vorliegen müssen.
Für das Vermögen gilt die rechtliche Selbstständigkeit der mit in die Ehe gebrachten Vermögenswerte, gemeinsame Anschaffungen werden aufgeteilt. Wesentlicher Unterschied zum deutschen Recht ist, dass es keinen gesetzlichen Zugewinnausgleich gibt, d.h. während der Ehe erwirtschaftetes Vermögen wird nicht automatisch zwischen den Partnern aufgeteilt und es existiert auch kein „Rentensplitting“. Das Gesetz sieht hierzu nur einen schuldrechtlichen Anspruch auf einen Teil des Zugewinns vor, den man vor Gericht einklagen (und nachweisen) muss.
Was das Unterhaltsrecht betrifft, muss zwischen dem Kindesunterhalt und dem Unterhalt an den ehemaligen Partner unterschieden werden. Im ersten Fall handelt es sich um einen Unterhaltsanspruch des Kindes, dessen Höhe nach den Bedürfnissen des Kindes und dem Einkommen des Unterhaltsverpflichteten bemessen wird. Unterhaltsverpflichtung dem ehemaligen Ehepartner gegenüber besteht nur in Ausnahmefällen, wenn wirklich Bedürftigkeit besteht. Dass der ehemalige Partner nicht erwerbstätig ist, reicht für sich alleine nicht aus, da er grundsätzlich verpflichtet ist, selbst für seinen Lebensunterhalt zu sorgen.
Der nichterwerbstätige Ehepartner sollte sich also frühestmöglich um eine Absicherung bemühen, so dass er im Scheidungsfall nicht mit „leeren Händen“ dasteht.