Griechische öffentliche Verwaltung mit nur einem Klick auf gov.gr

Auf dem neuen Portal der griechischen öffentlichen Verwaltung gov.gr kann man nicht nur die notwendigen Formulare, die für die Ausnahmegenehmigung für die Beschränkung des öffentlichen Personenverkehrs vorgesehen sind, die seit Montag, dem 23.3.2020 gilt, ausdrucken, sondern noch vieles mehr!
Ganz unbürokratisch und ohne persönlich bei Behörden oder Bürgerzentren (ΚΕΠ) vorsprechen zu müssen, kann man Unterschriften für Vollmachten oder die sogenannten „υπεύθυνες δηλώσεις“ beglaubigen lassen.
Die Beta-Version des Portals wurde am Samstag online gestellt. Dieses Portal, das nach und nach dem Bürger alle staatlichen Dienststellen elektronisch zugänglich machen soll, ist schon länger in der Entwicklung und wurde nun, wegen der Ausnahmesituation der Coronavirus-Pandemie als Beta-Version früher als geplant versuchsweise der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Im Moment funktionieren die Ausstellung von Vollmachten und eidesstattlichen Versicherungen, für die man noch bis vor kurzem persönlich bei den Bürgerzentren oder den Polizeidienststellen zur Unterschriftsbeglaubigung erscheinen musste, sowie von ärztlichen Rezepten.
Es folgen zeitnah ca. 503 andere Dienstleistungen, für die Behördengänge nötig waren, die man auf der Webseite auch schon aufgezählt finden kann. Ziel ist es, den gesamten Geschäftsverkehr mit staatlichen Behörden in naher Zukunft gänzlicher über diese Plattform abwickeln zu können, ohne dass persönliches Erscheinen notwendig sein wird.
Was man dazu braucht, sind die Zugangsdaten zum Online-System des Finanzamtes (taxisnet – gsis.gr) und seine Mobiltelefonnummer, an die man einen Bestätigungscode gesendet bekommt, der für die elektronische Ausstellung des beantragten Dokuments nötig ist. Jedes über das Portal ausgestellte Dokument erhält einen QR-Code und einen elektronischen Code, über den derjenige, an den das Dokument gerichtet ist, (Privatperson oder Behörde) auf demselben Portal die Authentizität des Dokuments überprüfen kann.
Man kann das so erstellte Dokument dann entweder ausdrucken oder sich per Email oder SMS zusenden lassen.

Ein Krematorium für Griechenland

Das Gesetz, das Feuerbestattungen in Griechenland erlaubt, gibt es schon seit dreizehn Jahren. Aber, wie wir alle aus Erfahrung aus erster Hand wissen, gab es bisher kein Krematorium. Dies hat sich kürzlich geändert.

Hier ein Beitrag des deutschlandfunk.de zu diesem Thema:

 

Feuerbestattung

Ein Krematorium für Griechenland

Von Rodothea Seralidou

Andonis Alakiotis, ein Mann in dunkelblauem Anzug, fährt zur Illustration einen leeren Sarg hoch, damit er anschließend in den Verbrennungsofen geschoben werden kann.

„Der Sarg besteht aus ökologischem, unbehandeltem Pinienholz. Laut Gesetz darf ein Kremationssarg nicht mit Farben und Lacken behandelt sein, um die Umwelt nicht zu belasten. Das Personal des Krematoriums bringt also den Toten hierhin und die Verwandten warten in der Cafeteria, bis man ihnen die Urne mit der Asche ihres Liebsten übergeben kann.“

Alles fing mit einem Versprechen an

Als Vorstand der Griechischen Organisation für Kremation hat Alakiotis Jahrzehnte lang für den Bau des ersten Krematoriums auf griechischem Boden gekämpft. Angefangen hatte alles mit einem Versprechen, das er gemacht hatte:

„Ich kannte mich mit dem Thema überhaupt nicht aus, bis ein sehr guter Freund, der bekannte Maler Pavlos Moschidis, mich im Jahre 1996 bat, dafür zu sorgen, dass er nach seinem Tod eingeäschert wird. Ich versprach ihm das, wusste aber nicht, auf was ich mich da eingelassen hatte. Mein Freund verstarb 2004 und wir mussten ihn nach Bulgarien bringen, ins Krematorium von Sofia. Volle 23 Jahre haben wir darum gekämpft, dass auch in Griechenland ein Krematorium gebaut wird. Heute ist mein Freund bestimmt hier bei uns und stolz auf uns.“

Widerstand der orthodoxen Kirche

Im Jahr 2006 wurde die Einäscherung in Griechenland als Alternative zur Erdbestattung gesetzlich anerkannt. Doch solange für den Bau eines Krematoriums die Kommunen zuständig waren, scheiterten alle Vorhaben und  Griechenland blieb das einzige Land in der EU ohne Krematorium.

Alakiotis: „Die meisten Hürden hatten damit zu tun, dass Flächen ausgewählt wurden, deren Besitzverhältnisse unklar waren. Die Stadt Zografou zum Beispiel wollte es auf dem Gelände des Friedhofes errichten. Dann wurde klar: Dieses Gelände gehört der Stadt überhaupt nicht. Und es gab auch einen Fall, wo die Kirche direkt eingegriffen hat. Da hatte der örtliche Bischof Unterschriften gesammelt und die Gläubigen gegen den Bau aufgehetzt, so dass der Stadtrat, auch wenn er vorher einstimmig für das Krematorium gestimmt hatte, einen Rückzieher machte. Von den dreißig Mitgliedern waren plötzlich nur noch sieben dafür.“

Kein Gottesdienst bei Feuerbestattungen

Anders als viele andere orthodoxe Kirchen, die offener mit dem Thema umgehen, vertritt die orthodoxe Kirche Griechenlands in Sachen Einäscherung eine ultra-konservative Haltung und verweigert ihren Gläubigen in dem Fall auch den Beerdigungsgottesdienst, sagt Bischof Ignatios, Mitglied der Heiligen Synode, des obersten orthodoxen Kirchenorgans:

„Wir hatten viele Tagungen, viele Diskussionen rund um das Thema und sind zum Entschluss gekommen, dass eine Feuerbestattung für orthodoxe Gläubige nicht in Frage kommt. Unser Gottesdienst spricht von der Beerdigung. Der Mensch ist mit Erde entstanden und kehrt zur Erde zurück. Die Einäscherung ist also mit dem orthodoxen Glauben nicht vereinbar. So sieht es die orthodoxe Kirche Griechenlands. Andersgläubige können tun und lassen, was sie wollen. Die Krematorien sollten aber nicht auf orthodoxen Friedhöfen erbaut werden.“

Für die Einäscherung nach Bulgarien

In der Praxis handhabt das jeder Priester anders, sagt Einäscherungsbefürworter Alakiotis: Viele orthodoxe Geistliche drückten ein Auge zu oder die Angehörigen verheimlichten, dass auf den Gottesdienst eine Einäscherung im Ausland folgen soll – meistens im Nachbarland Bulgarien.

Diese Fahrt können sich die Angehörigen nun sparen. Am 30. September wurde endlich die erste Feuerbestattung auf griechischem Boden vollzogen, sagt Andonis Alakiotis.

Krematorium mitten im Nichts

Dass der mittlerweile 65-Jährige dies noch erleben durfte, habe er einer Gesetzesänderung der ehemaligen Syriza-Regierung zu verdanken, die vor zwei Jahren auch private Krematorien möglich machte. Auch die gemeinnützige Organisation für Kremation, der  Andonis Alakiotis vorsteht, hat sich am Krematorium beteiligt. Das weiße, minimalistische Gebäude liegt in einem Industriegebiet, 75 Kilometer von Athen entfernt. Das sei bewusst so gewählt:

„Das nächste Haus liegt etwa zwölf Kilometer entfernt. Und auch wenn das als Industriegebiet deklariert ist, wir sind hier mitten im Grünen. Klar würden wir uns ein Krematorium wünschen, das besser an die Stadt angebunden wäre, wie in anderen europäischen Städten, in Barcelona oder Hamburg zum Beispiel. In Hamburg ist das Krematorium zum Beispiel in der Nähe einer Schule, hinter dem Gebäude gibt es Sportanlagen. Keinen stört es. Doch hier wäre das Risiko zu hoch.“

Es wäre so gut wie sicher, dass Anwohner das Projekt hätten stoppen wollen, meint Alakiotis. Entweder, weil das Krematorium sie in ihren religiösen Ansichten stört oder aber aus Angst, es könnte die Luft verpesten.

„Die Filter haben aber sehr strenge Vorgaben. Die Abgase werden elektronisch registriert, sind geruchsneutral und unsichtbar. Die Angst, dass das Krematorium die Umwelt belasten könnte, ist absolut unbegründet.“

„Der Tod soll dem Leben dienen“

600 Euro verlangt das Krematorium für eine Einäscherung – in etwa so viel wie das Krematorium im Nachbarland Bulgarien. Insgesamt kostet eine Feuerbestattung damit laut griechischem Bestatterverband mindestens 2.000 Euro. Das ist immer noch weniger als die Kosten einer Erdbestattung in Griechenland. Und anders als die Unternehmen, die als Investoren am Bau des Krematoriums beteiligt sind, möchte Alakiotis Organisation ihren Anteil am Gewinn spenden:

„Wir sind ja eine gemeinnützige Organisation, kein Unternehmen, das Gewinn machen will. Wir überlegen also, die Einnahmen an Kinder in Not zu spenden, zum Beispiel an Kinder, die ohne Eltern aufwachsen. Auch um zu zeigen, dass der Tod dem Leben dienen kann.“

DEUTSCHLANDFUNK

Ausschlagung der Erbschaft durch Minderjährige im griechischen Recht

Die Finanzkrise der letzten Jahre hat die Anzahl der Erbschaftsausschlagungen in Griechenland auf ein Rekordhoch getrieben. Die Immobiliensteuer ΕΝΦΙΑ macht das Erben in vielen Fällen unattraktiv und die steigende Überschuldung von Privatpersonen lässt den Hinterbliebenen im Todesfall oft keine andere Wahl, als die Erbschaft auszuschlagen, um nicht selbst von einer immensen Schuldenlast erdrückt zu werden, auch wenn teilweise noch Vermögenswerte in der Erbschaft vorhanden sind.

Man muss allerdings schnell entscheiden – die Frist für Ausschlagungen beträgt 4 Monate ab Kenntnis vom Erbfall für in Griechenland lebende Erben – und immerhin ein Jahr Zeit können sich diejenigen lassen, die im Ausland wohnen. Inzwischen sind sich auch die meisten potentiellen Erben der Tatsache bewusst, dass sie in so einem Fall mit einer Ausschlagungserklärung vor dem Amtsgericht des letzten Wohnsitzes des Erblassers aktiv tätig werden müssen, um negative Folgen zu vermeiden.

Hartnäckig hält sich allerdings ein recht unklares Bild für den Fall, dass minderjährige Erben existieren.Was oft vergessen wird- es reicht nicht aus, dass z.B. die Kinder des Erblassers die Erbschaft ausschlagen – wenn sie selbst Kinder haben, müssen dann auch diese eine Erbschaftsausschlagungserklärung abgeben, wenn sie das Erbe nicht antreten wollen. Wenn diese minderjährig sind – genau wie in allen Fällen eines minderjährigen Erben- können diese die Erbschaft, wegen Fehlens der Geschäftsfähigkeit, die Erbschaft nicht selbst ausschlagen.

Dies müssen die gesetzlichen Vertreter (Eltern, Erziehungsberechtigte) für sie tun. Eine einfache Erklärung reicht hier allerdings nicht, dazu ist eine gerichtliche Genehmigung nötig, wo man in einem Gerichtsverfahren die Überschuldung des Nachlasses beweisen muss. Auch diese Erklärung unterliegt nach dem Wortlaut des Gesetzes der viermonatigen Ausschlagungsfrist, die allerdings durch die Einreichung des Antrages für die Genehmigung durch das Gericht bis zur Ausgabe des entsprechenden Urteils unterbrochen wird.

Zu diesem Punkt kursieren derzeit widersprüchliche Ansichten und Informationen -auch unter Juristen – unter Anderem dass der Minderjährige nach Erreichung seiner Volljährigkeit die Möglichkeit hat, die Erbschaft selbst auszuschlagen. So nimmt z.B. das Amtsgericht Athen im Moment noch Erbschaftausschlagungserklärungen bis zu vier Monaten nach Erreichung der Volljährigkeit an. Und auch die Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte erkennt das Recht des Minderjährigen auf Ausschlagung der Erbschaft nach Volljährigkeit an, falls die Erziehungsberechtigten versäumt haben, eine entsprechende gerichtliche Genehmigung einzuholen. Dies wird allerdings von der herrschenden Meinung in der Rechtsprechung der Zivilgerichte abgelehnt, was auch der Grund ist, warum viele Amtsgerichte Ausschlagungen von volljährig gewordenen Minderjährigen nach Verstreichen der Viermonatsfrist nicht mehr annehmen.Der Minderjährige, der auf die Ausschlagung durch seinen gesetzlichen Vertreter angewiesen ist, wird vom Gesetz aber trotzdem geschützt, wenn dieser die Ausschlagung versäumt: Das griechische Zivilgesetzbuch bestimmt, dass die Erbschaft nach Verstreichen der Ausschlagungsfrist für den Minderjährigen zwar als angenommen gilt, aber unter dem Vorbehalt der Errichtung eines Verzeichnisses des Nachlasses (Inventar), was bedeutet, dass er nur mit dem Nachlass für eventuelle Schulden des Erblassers haftet und nicht mit seinem eigenen Vermögen. Voraussetzung ist allerdings, dass er innerhalb eines Jahres nach Erreichung der Volljährigkeit die Errichtung eines Inventars nach dem konkret im Gesetz dafür vorgesehen Verfahren veranlasst. Dieses Verfahren ist nicht unaufwendig – vor allem was die Kosten betrifft (Anwaltskosten für einen Antrag beim zuständigen Amtsgericht, Kosten für zwei Sachverständigengutachten plus Notarkosten für das Inventar). Falls innerhalb der gesetzlichen Frist kein entsprechendes Verfahren eingeleitet wird, gilt die Erbschaft durch den nunmehr volljährigen Erben als vorbehaltslos angenommen und er haftet für alle Schulden des Erblassers auch mit seinem eigenen Vermögen.

Wer also für seine minderjährigen Kinder auf der sicheren Seite bleiben will, sollte im Fall, dass die Erbschaft wegen Überschuldung ausgeschlagen wird und minderjährige Kinder als Erben in Frage kommen, innerhalb der viermonatigen Frist einen Antrag auf Genehmigung der Erbschaftsausschlagung an das zuständige Amtsgericht stellen. Kann man die Überschuldung des Nachlasses nachweisen, wird diese Genehmigung auch erteilt.  Dies ist im Moment der sicherste und kostengünstigste  Weg, um böse Überraschungen in der Zukunft zu vermeiden.

Von Rechtsanwältin Nicola-Alexandra Emmanouil

Zugang zum griechischen Gesundheitssystem für Nicht-Versicherte

Der gemeinsame Ministerialerlass der zuständigen Minister vom 4.4.2016 (Κ.Υ.Α. αριθ. Α3(γ)/ ΓΠ/οικ. 25132/ 4.4.2016 ) sieht den kostenlosen Zugang zu den Leistungen des griechischen Gesundheitssystem für alle nicht versicherten Bürger vor. Durch eine Vereinfachung des bürokratischen Systems wird die Prüfung, ob die betroffene Person die einzelnen Voraussetzungen (Einkommensgrenze, soziale und auch klinische Kriterien, wie z.B. chronische Erkrankungen) erfüllt, nunmehr nur mit Angabe der Sozialversicherungsnummer AMKA (z.B. bei Aufnahme in einem staatlichen Krankenhaus) erfolgen. Vorgesehen ist auch eine Befreiung bestimmter Patientengruppen von der Zuzahlungspflicht für Medikamente. Die betroffenen Bürger haben den gleichen Leistungsanspruch wie die Versicherten des griechischen Gesundheitssystems (ΕΟΠΥΥ). Für Ausländer, die keine Möglichkeit haben, eine griechische Sozialversicherungsnummer zu erhalten, ist ein gesondertes Verfahren vorgesehen, was ihnen Zugang zu denselben Leistungen ermöglicht.
Zu Einzelheiten siehe http://www.taxheaven.gr/laws/circular/view/id/23270 (auf Griechisch).

Von Rechtsanwältin Nicola-Alexandra Emmanouil

Gesetz zur Überschuldung von Privatpersonen („Nomos Katseli“)

Das Gesetz 3869/2010 („Nomos Katseli“) führte erstmals eine Regelung zur Schuldenregelung überschuldeter Privatpersonen und Angehöriger bestimmter Berufsgruppen in das griechische Recht ein, die nicht unter die Konkursordnung fallen. Ziel des Gesetzes ist es, natürlichen überschuldeten Personen die Möglichkeit zu eröffnen, ihre Schulden mit den Gläubigern zu regeln und auf ein gemessen an ihrem Einkommen und ihren Vermögenswerten tragbares Maß zu bringen beziehungsweise gänzlich von ihren Schulden zu befreien, wenn sie keine Vermögenswerte besitzen und ihr laufendes oder zu erwartendes Einkommen zur Befriedigung der Gläubiger nicht ausreicht.
Das Verfahren zur Unterstellung unter die Schuldenregelung des Gesetzes Katseli findet vor den Amtsgerichten statt. Trotz der Tatsache, dass die Amtsgerichte durch die Flut der Anträge vollkommen überfordert wurden, boten die Vorschriften zur vorläufigen Regelung durch das Gericht bis zum Termin der Hauptverhandlung über den Antrag, der in nicht seltenen Fällen auf über zehn Jahre in der Zukunft angesetzt wurde, einen wirksamen Schutz gegen Vollstreckungsmaßnahmen.
Das Gesetz hat vor Kurzem einige einschneidende Änderungen erfahren. Davon sind teilweise auch schon eingereichte Anträge betroffen – hier müssen in bestimmten Fällen neue und zusätzliche Unterlagen eingereicht werden.
Für neue Anträge ergeben sich folgende wichtige Änderungen:
– Im Gegensatz zur alten Regelung fallen nun auch Schulden an den griechischen Staat (Finanzamt, Sozialversicherungsträger) unter das Gesetz, vorausgesetzt, dass gleichzeitig auch Schulden an Privatpersonen oder private Unternehmen, wie z.B. Banken vorhanden sind.
– Im Fall eines Antrages auf vorläufigen Schutz vor Vollstreckung, der nach dem alten Gesetz automatisch bis zur Verhandlung des Hauptantrages auf Schuldenregelung wirkte, gilt dieser nunmehr nur noch für sechs Monate. Danach muss ein neuer Antrag auf Verlängerung des vorläufigen Schutzes gestellt werden, der an Voraussetzungen geknüpft ist.
– Auch der Vollstreckungsschutz in Bezug auf die Immobilie, die der Schuldner als Hauptwohnsitz benutzt, wird nicht mehr im Umfang der vorher geltenden Fassung des Gesetzes gewährleistet und ist nunmehr an wesentlich strengere Voraussetzungen gebunden.

Von Rechtsanwältin Nicola-Alexandra Emmanouil

Steuerbefreiung bei nicht eingenommenen Mieten

Ein nicht seltenes krisenbedingtes Problem der Vermieter von Immobilen in Griechenland stellt die Steuerpflicht für Mieteinnahmen dar, die der Vermieter tatsächlich nicht erhalten hat. In diesen Fällen gab es in der Vergangenheit für den Vermieter die Möglichkeit, dem Finanzamt die Ansprüche auf die Mietzahlungen einfach abzutreten, um von der Steuer auf die nicht erhaltenen Mietzahlungen befreit zu werden. Dies ist nun nicht mehr möglich.
Für nicht eingenommene Mieten muss der Vermieter nunmehr, vor Einreichung seiner Steuererklärung, dem Finanzamt nachweisen, dass er auf dem Rechtsweg gegen den Mieter vorgeht, um die Steuerbefreiung für die nicht gezahlte Miete zu erreichen. Dazu muss er entweder eine Gerichtsentscheidung vorlegen, die seine Ansprüche (entweder im Mahnverfahren „diatagi pliromis/apodosis misthiou“ oder im Klageverfahren) für den konkreten Zeitraum gegenüber dem säumigen Mieter anerkennt, oder zumindest nachweisen, dass die entsprechenden gerichtlichen Maßnahmen rechtzeitig eingeleitet wurden (z.B. Vorlage des Klageantrags und dessen Zustellung an den säumigen Mieter). Die nicht erhaltenen Mieten werden dann in der jährlichen Steuererklärung als nicht eingenommen angegeben. Versteuert werden sie erst in dem Jahr, in dem der Vermieter sie dann tatsächlich einnimmt.

Von Rechtsanwältin Nicola-Alexandra Emmanouil

Steuerpflichten für Steuerausländer („κάτοικοι εξωτερικού“)

Besitzt man als Ausländer (oder als im Ausland lebender Grieche) in Griechenland nur Immobilien und/oder Kraftfahrtzeuge für den Privatgebrauch, so ist man grundsätzlich nach derzeitiger Gesetzeslage in Griechenland nicht einkommenssteuererklärungspflichtig, d.h., man muss die zur Zeit noch erhobene Immobiliensteuer (ΕΝΦΙΑ) zahlen und ggf. Kfz-Steuer, braucht aber keine jährliche Steuererklärung einzureichen. In einer jährlichen Steuererklärung anzugeben (und auch zu versteuern) ist nur das tatsächlich in Griechenland angefallene Einkommen. So fällt in Griechenland auch für Steuerausländer Einkommenssteuer an, sobald man Einkommen aus den Immobilien erhält (z.B. durch Mieteinnahmen) oder aus anderen Quellen. Und hier ist Vorsicht geboten- als tatsächliches Einkommen gelten auch Zinsen, die auf einem Sparkonto anfallen und schon versteuert sind (Kapitalertragssteuer, die automatisch einbehalten wird). Wer also ein Sparkonto in Griechenland hat, auch wenn nur ein Minimalbetrag an Zinsen anfällt, ist verpflichtet, eine Einkommenssteuererklärung abzugeben. Darüber hinaus setzt das griechische Steuergesetz dann in diesem Fall ein fiktives Einkommen fest, das den Besitz/Erwerb der oben genannten Vermögenswerte (Immobilie/Kraftfahrzeug) rechtfertigt, welches auch versteuert werden kann. Um dies zu umgehen, kann man einen Nachweis z.B. über die Einfuhr von Kapital aus dem Ausland erbringen, das diesen vom Finanzamt fiktiv festgesetzten Wert abdeckt. Da es in diesen Bereichen in den letzten Jahren immer wieder zu Änderungen „in letzter Minute“ vor Ablauf der Fristen für die Abgabe der Einkommenssteuererklärungen kommt, sollte man sich auch als Steuerausländer auf dem Laufenden halten.

Von Rechtsanwältin Nicola-Alexandra Emmanouil

Legalisierung von Baurechtsverstößen – Fristverlängerung

Die Frist für die Legalisierung von Baurechtsverstößen bei Immobilien nach dem griechischen Gesetz 4178/2013 wurde durch Ministerialerlass bis zum 8. Oktober 2016 verlängert.
Verstöße gegen die Baugesetzgebung, wenn z.B. die Immobilie eine höhere Quadratmeterzahl als die offizielle Baugenehmigung aufweist, wie im Fall eines zum Zimmer umfunktionierten Balkons oder eines angebauten Zimmers und Ähnliches, aber auch generell baurechtliche Verstöße jeglicher Art werden in Griechenland mittlerweile verstärkt geahndet. Der Eigentümer setzt sich damit aber nicht nur der Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung und der Belegung mit verwaltungsrechtlichen Geldstrafen aus – durch die strengere Gesetzgebung kann man mit einer Immobilie, der solche Mängel anhaften, außer vererben, nicht mehr viel tun. Alle übrigen Übereignungen, z.B. Übereignung im Wege des Verkaufes oder der Schenkung, sind ohne Bescheinigung über die Baurechtskonformität der Immobilien durch einen Bauingenieur nicht mehr möglich.
Das Gesetz 4178/2013 bietet eine relativ kostengünstige Möglichkeit, solche illegalen Bauten zu legalisieren. Man sollte diese Möglichkeit in jedem Fall wahrnehmen, denn nach Ablauf der Frist am 8. Oktober 2016 wird zwar eine neue Regelung zu dieser Problematik erwartet, die aber mit wesentlich strengeren und kostenintensiveren Voraussetzungen verbunden sein wird.

Von Rechtsanwältin Nicola-Alexandra Emmanouil

Juristische Informationen zum Leben in Griechenland

Unsere neugestaltete Website findet bereits jetzt viel Beifall und wird häufig aufgerufen. Um die Website noch  interessanter zu gestalten,  planen wir in lockerer Folge relevante juristische Informationen zum Leben in Griechenland  dort zu veröffentlichen. Unser Mitglied Rechtsanwältin Nicola Alexandra Emmanouil hat sich freundlicherweise  bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen. Ihr sei für ihren ehrenamtlichen Einsatz auch an dieser Stelle gedankt.